Coach - Conny
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Wichtige Automatisierungen fehlen bei Legasthenie und AD(H)S

Um richtig, schnell und fehlerfei Lesen und Schreiben zu können ist es unerlässlich, all die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die hierfür gebraucht werden zu automatisieren. Automatisieren heißt, dass das Erkennen von Buchstaben, Worten, Zahlen im Langzeitdächtnis abgespeichert ist und von dort einfach und schnell abgerufen werden können - diese Fähigkeit fehlt bei Legasthenie und ADHS.

Automatisierung ist wichtig

Eine Automatisierung bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten ist unerlässlich und hat nichts mit Drill und auswendiglernen zu tun, wie manchmal angenommen wird.

Stellen sie sich vor, sie müssten bei jedem Schritt, den sie machen, darüber nachdenken, wie sie sich bewegen müssen. Oder sie müssten beim Fahrradfahren darüber nachdenken, wie es geht - sie bräuchten Unmengen an Energie, sie wären unsicher und würden Fehler machen! Und ebenso geht es Menschen mit Legasthenie, Matheschwäche und anderen Lernschwierigkeiten.

Die "NICHT" automatisierten Abläufe, z. B Buchstaben erkennen, zusammenziehen der Buchstaben zu Silben...verbraucht Unmengen an Kraft, Energie und Speicherplatz im Arbeitsgedächtnis. Da das Arbeitsgedächtnis bei Legasthenie und ADHS aber bereits über weniger Kapazitäten verfügt, verbraucht der NICHT - automatisierte Lese - und Schreibvorgang weitere Kapazitäten - Ergebnis sind Konzentrationsprobleme, Frust, Vermeidungsverhalten.....

Ursachen mangelnder Automatisierung

Um Abläufe, Verhalten oder Erlerntes zu Automatisieren, bedarf es 2 wichtiger Voraussetzungen.

a. Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung

b. geeignete Lernmethoden = Lernmethoden die beständig verschiedene Ergebnisse hervorrufen oder sich stänig ändern verlangsamen den Automatisierungsprozess oder verhindern ihn ganz

Ohne Wiederholungen geht es nicht, das ist fakt. Doch Kinder lieben von Natur aus Wiederholungen, WENN man denn die Motivation und das Interesse aufrecht erhalten kann und das eigentlich angeborene Interesse für Wiederholungen nicht durch einen ungünstigen Umgang mit dem Kind, einer ungünstigen Lernumgebung und ungünstigen Lernmethoden kaputt macht.

Wiederholungen sind unerlässlich, um Informationen ins Langzeitgedächtnis rutschen zu lassen. Das Arbeiten mit dem Langzeitgedächtnis hat den entscheidenden Vorteil, dass dies ohne Anstrengung und ohne Energieverlust von statten geht. Zudem wird die kleinere Kapazität im Kurzzeitgedächtnis nicht noch weiter geschwächt. Dies allerdings ist bei Menschen mit Legasthenie, ADHS und anderen Lernschwächen nicht der Fall - sie müssen mit dem Kurzzeitgedächtnis arbeiten und das kostet viel Energie, viel Kraft und viel Konzentration.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Automatisierung ist die Lernmethode. Dies mögen jetzt Lehrer nicht so gerne hören, aber "weniger ist mehr", soll heißen, dass es besonders lernschwache Kinder noch mehr im und am Lernen behindert, wenn permanent die Lerntechniken wechseln. Es scheint zum Guten Ton zu gehören, die Kinder mit Kopiervorlagen in jeder Form, Farbe und Variante zu versorgen und täglich abweichende Lernmethoden vorzubereiten. Es mag zwar sein, dass mit solchen Maßnahmen die Motivation der Kinder erhalten bleiben soll, aber wie erwähnt, besonders lernschwachen Schülern tut man damit keinen Gefallen.

Lernwege, die die Automatisierung behindern können

- "Schreiben, wie man hört"

Eine katastrophale Methode mit katastrophalen Ergebnissen. Kinder schreiben über einen gewissen Zeitraum alle Worte so, wie sie sie hören und das ist u. U fatal.

a. unsere Sprache ist nun wirklich nicht dafür gemacht, sie so zu schreiben, wie man sie hört

b. Kinder schreiben permanent falsch und/oder auf immer wieder wechselnde Art falsch und es kann sich keine Automatisierung einstellen

c. Kinder mit Legasthenie, ADHS und auditiven Verarbeitungsstörungen scheitern an dieser Methode komplett. Legasthene Menschen und ADHS´ler haben fast alle eine veränderte auditive Wahrnehmung und sie können viele Laute nicht hören und schreiben somit garantiert falsch.

- "Schreiben mit der Anlauttabelle"

Die Kinder lernen nach der Methode " A wie Apfel", "B wie Birne" etc. Kinder, die sich harklein an diese Anlauttabelle halten, lernen nicht ein Wort als Ganzes abzuspeichern, sondern gehen in Gedanken die Anlauttabelle durch und das verbraucht Energie und Speicherplatz.

- "Häufiger Wechsel von Methoden"

Jede neue Lernmethode macht ein "neulernen" und umdenken notwendig. Es muss sich somit unter Anstrengung immer auf eine neue Methode eingestellt werden und das fällt vor allem Kindern mit Legasthenie, ADHS und anderen Lernschwächen extrem schwer - sie können sich somit auf nichts einstellen und es kann keine Automatisierung stattfinden.

- "zeitnahe Einführung zu ähnlicher Buchstaben"

Werden zeitgleich oder sehr zeitnah z. B ähnliche Buchstaben wie m-n, p-q, das-dass-daß, kommt es u. U zur Ranschburg Hemmung. Dieses Phänomen wurde bereits 1905 vom Pychologen Pal Ranschburg nachgewiesen und ist eigentlich allen Lehrkräften bekannt - sollte es zumindest! Hierbei kommt es zur Hemmung im Gedächtnis beim Erlernen von ähnlichen Dingen wie re/li, Buchstaben, Zahlen etc. Das Gehirn kann sich diese ähnlichen Dinge nicht merken und es setzt die Ranschburg Hemmung ein, mit dem Ergebnis, dass man z. B immer wieder re/li verwechselt oder sich niemals merken kann, ob nun das oder dass oder daß.

- "zu schnelles Vorgehen"

Legasthenie, ADHS & Co benötigt viel mehr Zeit zum Lernen, viel mehr Wiederholungen und vor allem viel mehr Energie und Kraftaufwand um zu lernen. Wird hier zu schnell vorgegangen, "verlieren" sich diese Kinder im "Buchstabenwirrwarr und Zahlenwirrwarr" und es entsteht Frust, Ablehnung, Selbstzweifel und das Gefühl all dies niemals zu können - ziemlich ungünstige Voraussetzungen um zu lernen" Darüber hinaus entstehen somit oft bereits in der ersten Klasse "Bildungslücken", da der Automatisierungsprozess nicht stattfinden kann und die Kinder lernen, zu kompensieren. Dies wird dann ab Klasse 3 -4 nicht mehr so einfach und hier werden die "Bildungslücken" dann spürbar...

Was hilft, Lernprozesse zu automatisieren

In einigen Studien hat sich gezeigt, dass vor allem zwei Bausteine extrem wichtig sind, um Lerninhalte zu automatisieren - besondern im Bereich Legasthenie/LRS/ADHS

a. direktes Üben mit Buchstaben

Die Kinder prägen sich das "Schriftbild" ein, z.B "A" und erlernen den Laut dazu. Von dieser Methode profitieren vor allem Kinder mit Lernschwierigkeiten in diesem Bereich.

Hier empfehle ich seit Jahren das "IntraAct" - Programm. Es ist einfach aufgebaut, Eltern können zu Hause üben, die Kinder werden nicht von bunten Bildern und Schnörkeln abgelenkt und es zielt konsequent auf die Automatisierung ab.

b. phonologisches Bewusstsein trainieren

Die Kinder müssen lernen, einzelne Laute zu Worten zusammenzuziehen und Worte in Laute zu zerlegen. Besonders für Kinder mit Legasthenie/LRS/ADHS ist dieser Bereich extrem wichtig.

- Laute müssen erkannt werden

- Laute müssen unterschieden werden

- Einzellaute müssen zusammengezogen werden

- alle Laute in einem Wort müssen erkannt werden

Das phonologische Bewusstsein ist eine wichtige Voraussetzung, um Lesen und Schreiben zu lernen und sollte bereits in der Vorschule extrem geschult werden.

c. mehr visuell üben als schriftlich

Kinder mit Legasthenie und ADHS haben oft Probleme mit der Feinmotorik, was in dem "schrecklichen" Schriftbild zeigt. Schreiben erfordert enorme Anstrengung und verbraucht zusätzlich Platz im Arbeitsgedächtnis. Die Kinder versuchen Schreiben krampfhaft zu vermeiden, aus Frust, Anstrengung & Co. Es hat sich gezeigt, dass es effizienter ist, die visuellen Kanäle zu nutzen und das Schreiben - erstmal - auf ein Minimum zu beschränken.

Abfotografieren 

d. Rechtschreibregeln anschaulich machen

Rechtschreibregeln sind das A und O und ohne geht es nicht. Für Kinder mit Legasthenie und ADHS ist es aber wichtig, diese anschaulich zu gestalten, wie z. B hier...

Rechtschreibregeln anschaulich machen








e. Wiederholungen ohne Schnörkel

Einfache, selbstgemachte Memoryspiele mit Buchstaben und Sätzen bringen Spaß in die Wiederholungen:-)

Generelle Hilfen für den Schulalltag 

f. Viele Wiederholungen von wenig Stoff

"Weniger ist manchmal mehr", heißt in diesem Fall, auf das Wesentliche beschränken aber oft üben. 

h. sich auf die Stärken konzentrieren und fördern! "Wer immer nur an seinen Schwächen arbeiten muss, verliert die Lust - werden sie doch immer wieder ins Bewusstsein gerufen".

i. zurück auf Anfang wenn notwendig

Fehlen bereits in Klasse 1 die Automatisierungsprozesse macht es Sinn, hierher zurück zu kehren! Die Lücken, die entstanden sind, müssen geschlossen werden....Außerdem kann es Sinn machen, zu den Dingen zurückzukehren, die die Kinder können...So erfahren sie, DAS sie etwas können, sie hören, dass sie die Aufgaben gut gemacht haben, es steigert die Motivation und sie erleben Erfolge - unerlässlich für die Motivation.

j. frühe Hilfen

Lehrkräfte sagen immer wieder "er / sie braucht Zeit", "alles wird gut" und dann stellt sich leider sehr oft das Gegenteil raus....wenn sie als Eltern merken, dass ihr Kind Schwierigkeiten hat mit Buchstaben und/oder Zahlen, holen sie sich und ihrem Kind Hilfe. Gehen sie zu einem Lerncoach oder Lerntherapeuten und suchen sie mit ihm zusammen nach guten Lösungen, die ihr Kind fördern, es motivieren und ggf auch der Schule die Augen öffnen...

k. kleine, realistische Ziele

Kinder mit Legasthenie und ADHS brauchen unter Umständen sehr lange, um sich mit Buchstaben/Zahlen anfreunden zu können - es sind wirkliche, kleine, realistische Ziele notwendig, die die Kinder auch erreichen können.

Wortbaustelle: "Welche Wörter kannst du bilden" - vermittelt ein Gefühl für Worte....